Freitag, 16. Oktober 2020

Leicht melancholische Gedanken zum Herbst, ein Stadtbesuch und seine Folgen und jetzt schon an Weihnachten denken...


Ich hatte heute einen wunderschönen Nachmittag in Hamburg. Habe mich mit einer Freundin getroffen, für mein Nähwochenende in 8 Tagen geshoppt, war in meinem liebsten Wollladen, habe mit Abstand mit Freundinnen im Laden gefachsimpelt und tolle neue Wolle mitgenommen und jede Menge Ideen. Ich habe Kardemummabullar gegessen und Kaffee vor dem Bäcker getrunken und ein paar Reihen gestrickt. Eigentlich ein rundum schöner Nachmittag, Und doch kann ich nicht schlafen und schreibe stattdessen um 2.00 Uhr nachts diesen Post. Denn die Zeit in der Stadt und die Gespräche mit ihren Bewohnerinnen hat mir bewusst gemacht, wieviel einfacher es gerade ist, die paar Kilometer weiter nördlich auf dem Land zu leben. Alleine schon, dass ich auf dem Fußweg gehen kann, ohne ständig jemandem ausweichen zu müssen...

 Ich durchlebe zur Zeit eine noch nie dagewesene Achterbahn der Gefühle. Als lebensbejahender Mensch mit einem großen Hang zur Vorfreude pralle ich gerade extrem oft gegen eine Wand. Da dachte ich vor ein paar Tagen noch, dass ich die Bilder vom Meer in mir konserviere und bei Bedarf hervorhole und jetzt fällt es mir aufgrund der stetig steigenden Zahlen verdammt schwer. 




Planung ist zur Zeit gefühlt nur etwas für Leute, die praktisch sonst nix zu tun haben. Ich meine, was nützt die schönste Planung, wenn du bis zur letzten Minute nicht weißt, ob es so stattfinden kann oder ob die Gesetze kurzfristig geändert werden und ob du selbst die Regeln der Kunst erfüllst. 

Also ich finde Regeln an sich ganz sinnvoll, weil man weiß, woran man ist und sich alle daran halten können. Blöd ist nur, wenn sich die Regeln während des Spiels ändern. So wie es eigentlich gerade permanent passiert, z.B. in den Schulen oder in Bezug auf Urlaub.

Kurz dachte ich heute, dass der Lockdown auf eine Art und Weise einfacher war. Es war damals klar, dass für die nächsten Wochen nichts gehen würde und man sich Zuhause einigeln muss. Rückblickend betrachtet klingt es einfach. Genau genommen war es das natürlich nicht, denn damals waren wir total verunsichert und wussten nicht, wie lange der Zustand anhalten wird. Reicht die Wolle, das Strickzeug, die Bücher, wird das Internet durchhalten damit wir alle Netflix gucken können?  Haben wir genug zu Essen/ Hefe (und Klopapier)?  Werden unsere Lieblingsläden und Restaurants durchhalten können und wann darf ich wieder ans Meer? Was passiert mit meinen Lieben und wie kommen wir hier heil durch?

Das alles ohne wirkliche Vorbereitungszeit. Jetzt steigen die Zahlen wieder stark und ich stelle fest, dass ich mir meine Gedanken mache. Ich genieße jedes Treffen mit meinen Freundinnen (echte Qualitytime) und fange an mich einzuigeln. Denke über Literatur nach, kaufe Wolle, gehe meine Vorräte durch und versuche bessere Pläne zu machen. 

Ich überlege, ob es wirklich so schlimm wäre, dieses Jahr auf all die vielen Weihnachtsfeiern zu verzichten. Ich glaube nicht. denn die Adventszeit stattdessen mit Basteln und Geschichten lesend zu verbringen, klingt verlockend. Und bestimmt wäre es schön, drei gemütliche Tage, nur wir vier, unter dem Weihnachtsbaum zu verbringen. Mit leckerem Essen, ohne viel Brimborium, aber vielen Kerzen und großem Gemütlichkeitsfaktor. Mit Geschenken, die einen Mehrwert haben, weil sie uns über Weihnachten unterhalten und beschäftigen - möglichst sogar gemeinsam. Ehrlich gesagt finde ich die Vorstellung drei Tage unter dem Weihnachtsbaum zu liegen und zu lesen einfach phantastisch. 

Ich überlege sogar schon, die lieben nahen Verwandten jetzt noch mal schnell auf Kaffee und Kuchen in kleinen Gruppen einzuladen ( wer weiß ob es in ein paar Wochen noch geht) und schon mal vorzufeiern oder vorzuglühen. Das würde sich auch gut draußen im Garten machen lassen. Dazu ein kleines Feuer und den ersten Glühwein oder heißen Kakao über dem Feuer. Auch austauschbar durch eine leckere Kürbissuppe, Stockbrot und Würstchen oder Kässpätzle.





Zeit für Weihnachtskarten hätten wir dann dieses Jahr auch und ich könnte mich endlich für die ganze viele liebe Post bedanken, die beim letzten Lockdown hier ankam, die ich aber aus Zeitmangel gar nicht beantworten konnte. Mir war nämlich leider nicht langweilig. Dabei mag ich diese Zustand sehr gerne. Ich mag den Moment, wenn sich etwas zerschlagen hat und ich für einen kurzen Moment nicht weiß, was ich jetzt mit dieser Zeit anfangen soll. Bis mir einfällt, wieviele Bücher ich noch lesen wollte, was ich alles nähen wollte und dass mein Strickmuster gerade in einer spannenden Phase ist, der Hund mal eine große Runde vertragen könnte, ich schon ewig mal meine Freundin anrufen wollte, die Äpfel sich gut im Kuchen machen würden und ich mit der Produktion für den Adventskalender anfangen müsste... Und schwupp tauche ich in eine andere Welt ein und vergesse für eine Zeit alles um mich herum. Das ist ein bisschen wie Urlaub und tut unheimlich gut.

Und so habe ich in dieser Nacht versucht meine Gedanken zu sortieren und in eine positive Richtung zu lenken. Es funktioniert nicht gleich und es wird wohl wieder ein paar dieser Nächte geben, in denen ich schlechter  schlafe. Aber ich sehe in all diesen Beschränkungen auch eine Chance. Die Chance einen Winter gemütlich vor dem Feuer, wahlweise Kerzenschein zu verbringen, in der Hand das unvermeidliche Strickzeug, neben mir meine Familie, ein Becher Kakao, ganz viel Qualitytime. Denn mal ehrlich, wie oft haben wir in den vergangenen Jahren geseufzt, dass es doch auch schön sein müsste, mal einen gemütlichen Filmabend mit Popcorn im Herbst zu machen, alle zusammen. Wie schön es wäre, wieder mehr zusammen zu basteln (klingt so schön altmodisch und erinnert an Abende mit meiner Mama im Herbst), nicht so viele Termine zur Weihnachtszeit zu haben, sondern stattdessen die Zeit mit Kekse backen zu verbringen.

Nutzen wir die Chance und bleiben dabei gesund. Brummeln hilft nix, nur zusammen halten und das beste draus machen.

Deshalb macht euch alle ein gemütliches Wochenende, denkt an eure Lieben und stay safe!

                       Claudia



1 Kommentar:

  1. Ein sehr interessanter nachdenklicher Bericht, gut geschrieben.
    LG
    Ingrid

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